
verdammt-zum-warten-der-mut-ohne-antwort-zuversichtlich-zu-bleiben
Für welchen Satz braucht eine Führungskraft besonderen Mut?
Diese Frage haben wir verschiedenen Führungskräften gestellt. Die Antworten lagen weit auseinander. Kein Satz tauchte bei allen auf, keine zwei Antworten glichen sich.
Ich wollte damals selbst antworten und habe es gelassen. Später habe ich die Frage für mich beantwortet, allein. Es hat länger gedauert als erwartet.
Mein Satz ist keine Ansage und kein Eingeständnis. Er ist eine Haltung: Zuversicht nach außen zeigen, während ich innen noch keine Idee habe, wie wir an ein komplexes Thema herangehen sollen.
Wenn ich zurückblicke, war genau das immer meine größte Stressquelle. Nicht die Komplexität. Nicht der Druck von außen. Sondern der Moment, in dem mir nicht sofort einfiel, wie ich anfangen sollte. Das Problem lag auf dem Tisch, und im Kopf war nichts, was sich wie ein Anfang anfühlte.
Verdammt zum Warten, bis mir etwas einfiel.
Nach außen passiert in dieser Phase wenig. Nach innen sehr viel. Ich drehe das Thema, lege es weg, hole es wieder hervor. Ob das Team in dieser Zeit wirklich auf eine Antwort wartet, weiß ich nicht. Vermutlich ist ein Teil des Drucks selbst gemacht.

Irgendwann kam der erste Gedanke. Nicht die Lösung, nur ein Ansatz. Und ab dann war es einfach. Das Thema war nicht kleiner geworden. Aber sobald ein Anfang da war, verlor es seinen Schrecken. Was folgte, war Arbeit.
Ich ziehe daraus keine Regel für andere. Bei mir lag die Schwierigkeit im Warten, nie im Tun.
Eine Methode, das Warten zu verkürzen, habe ich nicht gefunden. Was sich verändert hat: Ich kenne die Phase inzwischen. Ich weiß, dass sie endet, weil sie bisher immer geendet hat. Das reicht, um die Zuversicht ein Stück weniger zu spielen und ein Stück mehr zu meinen.
Vielleicht ist das mein Satz: Ich habe noch keine Idee, und ich bin trotzdem zuversichtlich.
Für welchen Satz brauchen Sie Mut?