Darum geht es
- Ein voller Kalender beweist Last, nicht Verantwortung.
- Verantwortung übernehmen heißt dafür sorgen, dass etwas getan wird, nicht alles selbst zu tun.
- Personal Kanban macht die Schieflage sichtbar, bevor der Körper sie übernimmt.
Für dich
Was liegt diese Woche bei dir, das eigentlich woanders gehört?
Wenn du denkst „das mach ich schnell selbst": Wer könnte es lernen, wenn du es dieses eine Mal nicht tust?
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„Ich mach das schnell selbst, das geht schneller." Der Satz stimmt sogar. Für die eine Aufgabe, in dem einen Moment, geht es wirklich schneller. Genau deshalb ist er gefährlich: Er hat fast immer recht, und du merkst zu spät, dass hundert kleine richtige Entscheidungen zusammen eine falsche ergeben.
Junge Führungskräfte tappen fast alle einmal in diese Falle. Sie haben eine Rolle bekommen, in der sie Verantwortung tragen, und übersetzen das in einen einzigen Satz: Jetzt hängt es an mir. Also nehmen sie sich alles auf den Tisch. Der Kalender füllt sich, und weil ein voller Kalender nach Wichtigkeit aussieht, fühlt es sich zuerst gut an. Verantwortung wird zur Last, und die Last tarnt sich als Beweis, dass man sie ernst nimmt.
Nur trägt dieser Beweis nicht weit. Irgendwann kippt die Last in Erschöpfung, und das Bittere daran ist: Sie kommt nicht, weil jemand versagt hat, sondern weil jemand zu gewissenhaft war.
Ein voller Kalender ist kein Beweis für Verantwortung
Hier steckt die Verwechslung, die dem Ganzen den Namen gibt. Ein voller Kalender beweist, dass viel bei dir liegt. Über Verantwortung sagt er nichts. Verantwortung übernehmen heißt nicht, alles selbst zu tun. Es heißt, dafür zu sorgen, dass es getan wird, auch und gerade von anderen.
Der Unterschied klingt klein und ist riesig. „Selbst tun" bindet die Sache an deine Anwesenheit, deine Stunden, deinen Schlaf. „Dafür sorgen, dass es getan wird" bindet sie an ein funktionierendes Team. Das eine skaliert mit deiner Erschöpfung. Das andere skaliert mit deiner Führung.
Eine Führungskraft, die alles selbst macht, ist keine besonders engagierte Führungskraft. Sie ist ein Engpass mit gutem Gewissen.
„Geht schneller" ist eine Effizienz-Antwort auf eine Führungsfrage
Peter Drucker hat den Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität zur Grundfrage der Führung gemacht: Effizienz heißt, die Dinge richtig zu tun. Effektivität heißt, die richtigen Dinge zu tun. „Ich mach das schnell selbst" ist eine Effizienz-Antwort. Sie optimiert die einzelne Aufgabe und übergeht die eigentliche Frage.
Denn die richtige Frage ist nicht, wer die Aufgabe am schnellsten erledigt. Sie lautet, wer sie beim nächsten Mal ohne dich erledigen kann. Jedes „geht schneller, wenn ich es mache" ist ein Mitarbeiter, der es nicht gelernt hat. Du kaufst dir zwanzig gesparte Minuten heute mit der Garantie, dass die Aufgabe für immer bei dir bleibt.
Drucker denkt Wissensarbeiter als Menschen, die sich selbst steuern. Wer ihnen die Arbeit abnimmt, um Zeit zu sparen, spart am falschen Ende: Er spart sich das Team weg.
Zwischen Pflicht und Verantwortung liegt ein Schritt, den viele überspringen
Christopher Avery beschreibt Verantwortung als einen inneren Weg mit mehreren Stationen. Kurz vor dem Ziel liegt eine, die sich täuschend echt anfühlt: die Verpflichtung. Das Pflichtgefühl, das sagt, ich muss, ich schulde es, wenn ich es nicht mache, macht es keiner.
Diese Station ist die Heimat der erschöpften Führungskraft. Von außen sieht Pflichtgefühl aus wie Verantwortung. Beide packen an, beide lassen nichts liegen. Innen ist der Unterschied groß. Pflicht wird von einem „Ich muss" getrieben. Verantwortung ruht auf einer Wahl: Ich entscheide, dass diese Sache gelingt, und ich entscheide auch, wie, durch mich oder durch andere.
Wer im „Ich muss" stecken bleibt, kann nicht abgeben, weil Abgeben sich wie Drücken anfühlt. Erst der Schritt zur Wahl macht Delegation möglich, ohne dass ein schlechtes Gewissen mitläuft. Verantwortung, die du gewählt hast, darfst du auch verteilen.
Verantwortung, die niemand sieht, lässt sich nicht steuern
Das Problem an der Überlast ist nicht nur, dass sie schwer ist. Sie ist auch unsichtbar. Man merkt nicht, wie schief die Verteilung steht, weil niemand sie je nebeneinanderlegt.
Ein einfaches Werkzeug macht sie sichtbar: Personal Kanban. Drei Spalten, an der Wand oder im Tool:
- Was macht das Team?
- Was machst du?
- Was wartet?
Mehr braucht es nicht. Der Wert liegt nicht im Sortieren, sondern im Danebenstellen. Wenn deine Spalte Woche für Woche voller ist als die des Teams, hast du kein Fleiß-Problem gelöst, sondern eins sichtbar gemacht. Das ist kein Lob. Das ist ein Signal.
Ein Signal darf man ernst nehmen, bevor der Körper es übernimmt. Erschöpfung ist am Ende oft nur die späteste, teuerste Form von Rückmeldung über eine Verteilung, die man Wochen früher an einem Whiteboard hätte sehen können.
Der Kalender beweist nichts, er fragt nur
Deshalb ist ein voller Kalender kein Beweis. Er ist bestenfalls eine Frage: Liegt das hier, weil es hierhin gehört, oder nur, weil es bei mir schneller ging? Verantwortung zeigt sich nicht daran, wie viel du trägst. Sie zeigt sich daran, dass die Dinge auch dann getragen werden, wenn du einmal nicht kannst.