Im Olympiapark München steht eine Arena, die du auf den ersten Blick übersiehst. Genau das ist ihre Stärke. Die SAP Garden, eröffnet im September 2024 als Heimspielstätte für den EHC Red Bull München und den FC Bayern Basketball, ist nicht in die Höhe gewachsen. Sie ist in den Hang gewachsen. Die dänischen Architekten von 3XN haben sie in den Schuttberg des Olympiabergs eingegraben und mit einem geschwungenen Dach abgedeckt, das in den Park hinein verläuft.

Wer kommt, hat zwei Möglichkeiten. Du gehst frontal über den Vorplatz und siehst eine geschwungene Front, die wie eine angespülte Welle wirkt. Oder du gehst über den Olympiaberg und merkst irgendwann, dass du gerade über das Dach läufst. Beides ist Architektur, die nicht prahlt.
Was 3XN dort gemacht haben, ist mehr als ein Trick mit Topografie. Es ist eine Antwort auf die Frage, wie eine Großarena 2024 in München aussehen darf, ohne den Olympiapark zu beschädigen, der seit den Spielen 1972 zu den ikonischsten Stadt-Landschaften Europas gehört. Wer das verstehen will, liest weiter.
Der Standort als Vorgabe
Die SAP Garden steht im Olympiapark, an der Flanke des Olympiabergs. Der Olympiaberg ist nicht von Natur aus da. Er ist nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Trümmerschutt der Stadt aufgeschüttet worden. Wer dort eine Arena baut, baut auf einer historisch geladenen Topografie.
München hat im Wettbewerb für das neue Bauwerk vorgegeben, dass es die Sichtachsen des Olympiaparks nicht zerstören darf. Frei Otto, Günter Behnisch und Otl Aicher haben hier in den frühen Siebzigern etwas geliefert, das die Stadt bis heute prägt. Leichte Membrandächer, weiche Topografie, Mensch und Landschaft auf gleicher Höhe. Eine 30-Meter-Arena daneben hätte das gekippt.
3XN aus Kopenhagen hat den Wettbewerb mit einem Vorschlag gewonnen, der den Bau zur Hälfte in den Hang setzt. Die sichtbare Höhe über dem Vorplatz ist deutlich kleiner als bei einer üblichen Arena dieser Größe. Der Rest sitzt im Berg. Das ist die zentrale Entscheidung, aus der alles andere folgt.

Das Dach als Park
Das Dach ist nicht flach. Es ist eine durchgehend gewölbte Fläche, die am Olympiaberg-Hang ansetzt und zum Vorplatz hin abfällt. Die Geometrie folgt dem Schwung der vorhandenen Hügel.
Auf der Hangseite wird das Dach zur begehbaren Park-Erweiterung. Du kannst über die Arena drüberlaufen, ohne zu merken, dass du auf einem Gebäude bist. Wenn du vom Olympiaturm in Richtung Eishalle läufst, ist der Übergang vom Naturhügel zum Bauwerk kaum wahrnehmbar. Dasselbe Material, dieselbe Kontur, dieselbe Begehbarkeit.
Diese Lösung kommt aus einer einfachen Frage. Was ist der Olympiapark für München? Eine zugängliche Stadtlandschaft. Wer dort eine Arena hinsetzt, sollte den Park nicht verkleinern. 3XN hat ihn vergrößert.
Die Fassade

Die senkrechten Wände, vor allem die geschwungene Vorderfront zum Vorplatz, sind mit Holz verkleidet. Holz ist die Wahl für Außenflächen, weil es unter Sonne und Regen langsam silbergrau patiniert, statt steril zu altern. In ein paar Jahren wird die Fassade nicht mehr honigfarben sein, sondern stumpf-grau. Das ist gewollt.
Das Holz ist nicht nur dekorativ. Es bricht die Schalldynamik im Vorplatz, was an einem Tag mit über zehntausend Besuchern einen Unterschied macht. Es macht den Bau außerdem optisch warm. Ein Material, das in München mit Bergen und Tradition assoziiert wird, an einer Stelle, wo sonst leicht industrielle Sterilität stehen könnte.
Der Innenraum
Innen ist die Arena erstaunlich kompakt. Die Sitzreihen sind steil gestapelt, was bei der reduzierten Außenhöhe nötig wurde. Der Effekt ist konkret: Du sitzt nah am Spielfeld, näher als in vielen größeren Arenen. Eishockey-Atmosphäre profitiert davon enorm. Die Akustik ist dicht. Die Sicht ist über alle Reihen gut.
Das Holz aus der Fassade kommt im Innenraum zurück, in den Foyers und Gangbereichen. Die Material-Konsistenz von außen nach innen ist für 3XN typisch. Du wechselst nicht das Bauwerk, wenn du die Halle betrittst.
Was das mit dem Olympiapark macht
Die spannende Frage war immer, ob die SAP Garden den Olympiapark schwächt. Die Antwort, die nach dem ersten Betriebsjahr sichtbar wird, ist Nein. Der Park hat einen neuen Anziehungspunkt bekommen, der die alte Achse Stadion, Schwimmhalle, Olympiaturm um eine vierte Station erweitert. Und weil das Dach Teil des Hangs ist, hat der Park sogar an Fläche gewonnen, nicht verloren.
Was die SAP Garden zeigt: Großbauten in einem geschützten Park-Kontext müssen kein Bruch sein. Die Voraussetzung ist, dass der Bauherr bereit ist, sichtbares Volumen unsichtbar zu machen. Das ist teurer als ein Standard-Riegel auf grüner Wiese. Hier hat es sich gelohnt.

Was du als Foto-Mensch davon hast
Wenn du die SAP Garden fotografieren willst, geh nicht frontal. Geh auf den Olympiaberg und schau von oben zurück. Die spannendste Perspektive ist die, in der das Dach mit dem Hang verschmilzt. Am späten Nachmittag, wenn das tiefstehende Licht die wellenförmige Geometrie sichtbar macht, kommt die Form am ehesten heraus. Im Sommer mit grünem Hang, im Herbst mit gefärbten Bäumen drumherum, im Winter mit Schnee, der die Linien betont. Jede Jahreszeit erzählt eine andere Schicht.
Spannender als die Innenarchitektur ist die Fassade von der Seite. Die horizontalen Strukturen erzeugen mit niedrigem Sonnenstand harte Schatten-Streifen, die sich übers Glas darunter spiegeln. Wer Architektur fotografisch ernst nimmt, kommt zweimal. Einmal zum frühen Tag, einmal zur blauen Stunde. Bei Dämmerung leuchtet die Halle nach außen, und das Holz wird zur dunklen Folie.

Wenn du in München bist und Architektur magst, ist die SAP Garden derzeit der lohnendste Stopp im Norden der Stadt. Anders als beim Olympiaturm musst du keinen Eintritt zahlen, um sie zu erleben. Du läufst einfach drüber, drumherum, durch.
