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Als das Fotografieren wieder leicht wurde

Ein Sommertag in Malcesine am Gardasee — und die Erinnerung daran, wie aus schwerer Ausrüstung eine Kamera wurde, die einfach mitkommt.

Von Hand geschrieben

In Malcesine führt ein kühler, dunkler Gang durch eine alte Villa, und an seinem Ende steht ein heller Torbogen offen zum See. Man tritt aus dem Schatten, die Augen brauchen einen Moment, und dann liegt das Wasser da, türkis bis an die Steilwände gegenüber, davor eine Palme und ein Beet voller Sommerfarben.

Zwei Frauen gingen vor mir auf das Licht zu, ein Mann mit Rucksack fotografierte eine Familie, die sich vor dem See aufstellte. Alle taten dasselbe: hinausschauen, festhalten, weitergehen.

Ich hatte die Kamera in der Hand, nicht in einer Tasche, nicht als Entscheidung. Und während ich da stand, fiel mir ein, dass das nicht immer so gewesen war.

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Es gab Jahre, da begann ein Tag wie dieser nicht im Torbogen, sondern zu Hause vor dem offenen Rucksack. Damals trug ich eine schwere Canon, ein Vollformatgehäuse, dazu die Objektive, das Weitwinkel, das Tele, die lichtstarke Festbrennweite. Gute Kameras, jede für sich. Aber bevor ich losging, stand ich davor und rechnete, was ich brauchen würde und was nicht. Aus dem Losgehen war Vorbereitung geworden, aus der Kamera war Ausrüstung geworden.

An manchen Tagen blieb die Tasche dann einfach stehen. Sie war mir zu schwer für das, was ich eigentlich vorhatte: rausgehen und schauen.


Malcesine ist ein Ort, der einem das Schauen leicht macht. Am Wasser drängen sich die Häuser bis an die Kante, ein Restaurant sitzt auf einem Felsen über dem See, die Markisen weit ausgefahren, Geranien und Bougainvillea an den Mauern. Mittags füllen sich die Tische, die Leute essen mit den Füßen fast im Wasser, hinter ihnen steigt der Monte Baldo steil aus dem Blau.

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Mit der großen Kamera hätte ich hier überlegt, welches Objektiv für diese Szene das richtige wäre. Mit der kleinen überlegte ich nur, wo ich stehen muss. Das ist ein Unterschied, der klein klingt und alles verändert. Das Werkzeug hatte mir die Frage nach der Technik abgenommen und mir die Frage nach dem Bild zurückgegeben.


Ich ging weiter, dahin, wo die Boote vor der Stadt ankern. Der See lag offen, ein Segelboot vorn, dahinter die Berge in mehreren Schichten Dunst, ganz hinten das Tal, durch das der Wind kommt, für den dieser See berühmt ist.

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Den Weg zu dieser kleinen Kamera hatte ich nicht über Nacht gefunden. Fujifilm hatte die X100 schon 2010 auf der Photokina gezeigt, gekauft habe ich sie 2012. Sie passte in eine Jackentasche, es gab kein zweites Objektiv, über das ich hätte nachdenken müssen. Später kamen die X-Pro1 und die X-Pro2, irgendwann sogar die X-T-Modelle. Wenn ich die Bilder dieser Jahre zähle, sind es fünfundvierzig-, vielleicht fünfzigtausend. Das ist keine Phase. Das ist ein Stück Leben.


Und sie veränderte, worauf ich überhaupt achtete. An einem Pool blieb ich stehen, nicht wegen des Wassers, sondern wegen der Linie: die helle Kante schwang sich in einer langen S-Kurve am grauen Holz entlang, und das Türkis darunter machte aus einer Banalität eine Form.

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So ein Bild hätte ich früher übersehen. Mit der schweren Ausrüstung dachte ich in Motiven, die den Aufwand lohnten. Mit der leichten Kamera fing ich wieder an, in Formen zu sehen, in Kurven, Kanten, Flächen. Wer das Werkzeug wechselt, wechselt nicht nur die Methode, sondern die Art der Dinge, die ihm auffallen.


Gegen Abend wurde das Licht weich. Über der Stadt steht die Scaligerburg auf ihrem Felsen, der Turm gegen den hohen Himmel, unten am Kiesstrand ein paar Schwimmer, ein Mann in roter Badehose stand am Wasser und sah hinaus, weit draußen zog eine Fähre vorbei.

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Das ist die Stunde, in der man die Kamera am wenigsten erklären muss. Das Licht macht die Arbeit, man muss nur dabei sein. Und dabei sein konnte ich nur, weil die Kamera mitgekommen war, ohne dass ich morgens hatte entscheiden müssen, ob sie es wert ist.


Weiter nördlich, wo der Wind verlässlicher steht, lag der See voller Segel. Eine ganze Reihe kleiner Optimisten, die Boote, in denen Kinder das Segeln lernen, dazwischen zwei Surfer, die geduldig über das flache Wasser schoben.

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Niemand hier machte ein Aufheben. Es war ein ganz normaler Nachmittag am Gardasee, Anfänger auf dem Wasser, Eltern am Ufer, der Berg darüber. Genau die Art von Tag, an dem die schwere Tasche zu Hause geblieben wäre und an dem die kleine Kamera alles mitnahm, was zählte.


Am Ende saß ich noch eine Weile über den ankernden Booten. Eines lag rot zwischen den weißen, ein Schwimmer zog seine Bahn dazwischen, und das Licht wurde langsam goldener, bis die Berge nur noch Schatten waren.

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Die große Tasche steht noch im Schrank. Sie ist nicht schlechter geworden, ich gehe nur seltener an sie. Was an Tagen wie diesem mitkommt, ist das Leichte, weil das Leichte das ist, was man wirklich dabeihat. Und ein Bild macht am Ende nicht die Kamera, die am meisten kann, sondern die, die da war, als das Licht so weit war.